Überlegungen zur Behandlung von pädiatrischen Patienten bei Verdacht auf oder bestätigter Erkrankung an COVID‑19

COVID-19 INFORMATION & RESSOURCEN

Letzte Aktualisierung 11 November 2020, 10:40AM (NZDT)

Diese Informationsressource dient dazu, medizinisches Fachpersonal bei der Behandlung von Frühgeborenen, Säuglingen und Kindern bei Verdacht auf oder bestätigter Erkrankung an COVID-19 zu unterstützen. Diese Informationen sind nicht als Ersatz für Empfehlungen oder Anforderungen Ihres örtlichen Krankenhauses vorgesehen.

Diese Ressource verweist auf die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO).1 Bitte nutzen Sie den Link in dieser Ressource, um sicherzustellen, dass Sie auf die aktuellsten Empfehlungen der WHO zugreifen.

Die epidemiologischen und klinischen Verlaufsmuster von COVID-19 sind insbesondere bei Frühgeborenen, Säuglingen und Kindern noch immer unklar.

  • In mehreren Studien in der Neugeborenenpopulation wurde festgestellt, dass das Risiko einer vertikalen Übertragung von COVID-19 bei der Geburt unwahrscheinlich ist und dass ein geringes Risiko besteht, dass Babys bei der Geburt infiziert werden, selbst wenn sie von einer COVID-19-positiven Mutter geboren werden.2-5​
  • In einer Studie mit 2.143 pädiatrischen Patienten mit einer bestätigten oder vermuteten COVID-19-Infektion6 wurde Folgendes festgestellt:
    • Bei 94 % der pädiatrischen Patienten wurde eine asymptomatische, leichte oder mittelschwere Erkrankung diagnostiziert.
    • Bei 5,9 % der pädiatrischen Patienten wurde verglichen mit 18,5 % der erwachsenen Patienten eine schwere oder kritische Erkrankung diagnostiziert. In dieser Studie gab es einen Todesfall eines 14-jährigen Patienten.
  • Später veröffentlichte Studien aus Europa7 und den USA8 belegten diese frühen Daten aus China:
    • Ein kleiner Prozentsatz aller COVID-19-Fälle betrifft Kinder (1,7 % in den US-Daten, obwohl sie 22 % der US-Bevölkerung ausmachen, und 1,2 % in den italienischen Daten).
    • Bei nur wenigen pädiatrischen Patienten wird eine schwere oder kritische Erkrankung diagnostiziert, wobei in den US-Daten nur 2 % auf die Kinderintensivstation eingewiesen werden.
    • In den US-Daten wurden nur drei Todesfälle (<0,2 % der pädiatrischen Patienten) gemeldet, und in der italienischen Studie wurden in der Pädiatrie keine Todesfälle gemeldet.

In den meisten pädiatrischen Fällen gibt es keine Hinweise darauf, dass Therapieentscheidungen geändert werden sollten. Die Behandlung sollte sich nach der zugrunde liegenden physiologischen und klinischen Symptomatik des Patienten in Verbindung mit den aktuellen evidenzbasierten Atemtherapiestrategien richten.

Atemtherapie bei pädiatrischen Patienten im Zusammenhang mit COVID-19


Patienten, die aufgrund einer COVID-19-Erkrankung eine Atmungsunterstützung benötigen, haben eine hohe Viruslast und stellen ein potenzielles Infektionsrisiko für medizinisches Fachpersonal und andere Patienten dar. Alle Patienten mit bestätigter oder vermuteter COVID-19-Erkrankung müssen mit geeigneten Isolierungsmaßnahmen und persönlicher Schutzausrüstung (PSA) behandelt werden. Berücksichtigen Sie Ihre Krankenhausrichtlinien oder die Leitlinien der WHO. 

Die WHO definiert die Endotrachealintubation als ein aerosolerzeugendes Verfahren, das als solches zusätzlichen Schutzmaßnahmen zur aerogenen Übertragung unterliegt.1 Darüber hinaus wird empfohlen aufgrund der Verunsicherung um das Potenzial der Aerosolisierung, nasales High Flow (NHF) und nichtinvasive Beatmung (NIV), einschließlich Bubble CPAP, mit Schutzmaßnahmen zur aerogenen Übertragung zu verwenden. Das Ausmaß des Risikos, das von nichtinvasiven Therapien ausgeht, muss gegenüber dem Risiko bewertet werden, das durch lautes Sprechen (Weinen)9, Husten und bekannte aerosolerzeugende „Hochrisiko“-Verfahren wie Intubation entsteht.10 Es wird jedoch ein vorsichtiges Vorgehen bei allen potenziell infektiösen Patienten empfohlen, die Atmungsunterstützung erhalten, unabhängig von der Modalität, bis eine weitere Sicherheitsbewertung abgeschlossen werden kann.

Nasaler High Flow

Die WHO empfiehlt in ihren Leitlinien, dass eine Sauerstofftherapie mit Nasenkanüle oder Prongs die bevorzugte Methode zur Abgabe der Sauerstofftherapie bei Kleinkindern ist, da diese möglicherweise besser vertragen wird. NHF kann bei ausgewählten Patienten mit hypoxämischem Atemversagen in Betracht gezogen werden. Alle Patienten, die mit NHF behandelt werden, sollten engmaschig auf klinische Verschlechterung überwacht werden.1 

Einrichtungen, die während dieser Pandemie erwägen, die über NHF abgegebenen Flussraten zu reduzieren, beachten bitte, dass sich dies negativ auf die Wirksamkeit der Therapie auswirken kann. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass dies die Risiken für das Gesundheitspersonal mindert. Angemessene Isolierungs- und PSA-Maßnahmen zum Schutz vor aerogener Übertragung werden weiterhin empfohlen (unabhängig von der Flussrate). Sobald diese Maßnahmen ergriffen sind, empfehlen wir, evidenzbasierte Flussraten zu befolgen, um die Wirksamkeit der Therapie zu maximieren.

Daten zur Aerosoldispersion finden Sie unter Informationen zur nasalen High-Flow-Therapie bei COVID-19.

Fisher & Paykel (F&P) Produkte für nasales High Flow in der Pädiatrie#

  • Die Interfaces Optiflow™ Junior, Optiflow Junior 2 und Optiflow Junior 2+ für nasales High Flow, High Flow-Schlauchsysteme von F&P und das entsprechende Zubehör sind nur für die Verwendung an einem einzelnen Patienten vorgesehen.

CPAP

In den WHO-Leitlinien wird darauf hingewiesen, dass in Situationen, in denen möglicherweise keine mechanische Beatmung möglich ist, ein nasales Bubble CPAP bei Patienten mit schwerer Hypoxämie angewendet werden kann und möglicherweise leichter verfügbar ist.1

Für Einrichtungen, in denen das Bubble CPAP die aktuelle Standardbehandlung für Neugeborene ist, die Atmungsunterstützung benötigen (nicht aufgrund von COVID-19), gibt es derzeit keine Empfehlungen einer Änderung der klinischen Praxis für die Mehrheit der Neugeborenen.

Bei jedem Bubble CPAP-System gibt es zwei Hauptstellen, an denen Gase und potenzielle Aerosole wahrscheinlich austreten: zwischen dem Patienten und der Maske/den Prongs (Patientenleckage) und an der Stelle, an der die Luft aus dem Bubble CPAP-Generator austritt (beabsichtigte Leckage).

  • Die Bubble CPAP-Therapie sollte als aerosolerzeugende Therapie behandelt und eine geeignete PSA sollte eingesetzt werden.
  • Eine gut dimensionierte und angepasste Maske/ein Prong sollte verwendet werden, um Patientenleckagen zu verringern. 
  • Bei Versuchen, das Exspirationsgas zu filtern, sollten die Auswirkungen dieser Filterung auf die Wirksamkeit der Therapie berücksichtigt werden.11 

CPAP-Produkte für Säuglinge von F&P Healthcare#

  • Der Bubble CPAP-Generator von F&P, das F&P FlexiTrunk™ nasale Interface, CPAP-Schlauchsysteme für Säuglinge von F&P und das entsprechende Zubehör sind nur für die Verwendung an einem einzelnen Patienten vorgesehen.
  • Das Hinzufügen einer antiviralen Lösung zu Bubble CPAP-Generatoren ist bereits früher dokumentiert worden.12 F&P Healthcare hat die Wirksamkeit solcher Lösungen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, die Aerosolisierung eines Virus aus dem Bubble CPAP-System wirksam zu reduzieren, nicht getestet. Die Verwendung einer 0,1%igen Essigsäurelösung (Essig) hat jedoch keine nachteiligen Auswirkungen auf das Material des Bubble CPAP-Generators. Der Bubble CPAP-Generator von F&P sollte immer auf einem niedrigeren Niveau als der Patient aufgestellt werden.
  • Die Platzierung eines Filters an einer beliebigen Stelle im Ausatmungsgasweg des Bubble CPAP-Systems wird nicht empfohlen. F&P Healthcare empfiehlt äußerste Vorsicht, wenn Filter auf nicht genehmigte oder improvisierte Weise verwendet werden. Ausatemwiderstand, Filterwirksamkeit unter verschiedenen Bedingungen, instrumenteller Totraum, Strömungsdynamik durch das System und das Potenzial für Air-trapping sind nur einige der wichtigen Sicherheitsfaktoren, die medizinisches Fachpersonal berücksichtigen sollte. Wenn Sie einen Filter im Bubble CPAP-System platzieren, wo es in die Atmosphäre entlüftet wird, beachten Sie, dass der Bubble CPAP-Generator nicht für eine Abdichtung ausgelegt ist und daher nicht das gesamte austretende Exspirationsgas gefiltert wird.
  • Für die Platzierung eines Filters in CPAP-Systemen mit Beatmungsgerät wenden Sie sich bitte an den Hersteller des Beatmungsgeräts. Bei Fragen zur Verwendung von Filtern mit F&P-Beatmungssystemen besuchen Sie bitte Viral & Bacterial Filtration of F&P Healthcare Filters and F&P Evaqua™ 2 Circuits (Virale und bakterielle Filtration von F&P Healthcare Filtern und F&P Evaqua™ 2 Beatmungssystemen).

Erstversorgung

Obwohl die Erstversorgung von Neugeborenen und Säuglingen als ein aerosolerzeugendes Verfahren betrachtet werden sollte, hat der European Respiratory Council erklärt, dass es derzeit keine Belege für eine Infektion der Atemwege bei der Geburt oder eine nachfolgende Virusverbreitung durch Geräte oder Wiederbelebungsverfahren gibt.13 Der Resuscitation Council UK stellt fest, dass es keine gemeldeten Fälle gibt, in denen sich medizinisches Fachpersonal bei einem Neugeborenen durch Wiederbelebungsverfahren mit COVID-19 infiziert hat.14 Angesichts dieser Belege sowie der Wahrscheinlichkeit eines Maskenlecks und den negativen therapeutischen Auswirkungen, die das Hinzufügen von Filtern zu den Beatmungssystemen wahrscheinlich hat, könnten die Risiken der Verwendung von Filtern bei der Wiederbelebung von Säuglingen größer sein als der Nutzen, den sie bieten könnten. 


Erstversorgungsprodukte für Säuglinge von F&P Healthcare#

  • Der F&P Perivent™ ist für die Verwendung bei mehreren Patienten vorgesehen. Der Perivent ist ein Überdruckgerät, das einen unidirektionalen Gasfluss liefert. Gas tritt aus dem System über das Ventil für positiven endexspiratorischen Druck aus. Dies verhindert, dass durch den Patienten exponierte Flüssigkeiten in das Gerät zurückgelangen, wodurch das Risiko einer Kontamination zwischen Patienten verringert wird. Anweisungen zur Reinigung des Perivents zwischen den Anwendungen bei Patienten finden Sie im technischen Produkthandbuch.
  • Notfallerstversorgungs-Schlauchsysteme und Masken für Säuglinge von F&P sind nur für die Verwendung an einem einzelnen Patienten vorgesehen.
  • Die Platzierung eines Filters zwischen dem T-Stück und der Beatmungsmaske wird nicht empfohlen. F&P Healthcare empfiehlt äußerste Vorsicht, wenn Filter auf nicht genehmigte oder improvisierte Weise verwendet werden. Ausatemwiderstand, Filterwirksamkeit unter verschiedenen Bedingungen, instrumenteller Totraum, Strömungsdynamik durch das System und das Potenzial für Air-trapping sind nur einige der wichtigen Sicherheitsfaktoren, die medizinisches Fachpersonal berücksichtigen sollte. 

Invasive Beatmung​

Wenn eine invasive Beatmung erforderlich ist, wird die Zufuhr von erwärmtem und befeuchtetem Gas während der invasiven Atemunterstützung weithin empfohlen und praktiziert.15

Befeuchtete Schlauchsysteme von F&P Healthcare zur invasiven Beatmung bei Säuglingen#​

  • Schlauchsysteme für die invasive Beatmung von Säuglingen von F&P sind nur für die Verwendung an einem einzelnen Patienten vorgesehen.
  • Bei pädiatrischen/neonatalen Beatmungsgeräten, die nicht über einen inhärenten Exspirationsfilter verfügen und in die Atmosphäre entlüften, kann ein Einwegfilter verwendet werden.
    • Stellen Sie sicher, dass der Filter 15-mm-Anschlüsse hat, um sichere Verbindungen zu ermöglichen, Totraum zu minimieren und die Leistung des Beatmungsgeräts zu optimieren.
    • erwenden Sie nur von der Regulierungsbehörde genehmigte Filter. Sie wurden in Übereinstimmung mit international anerkannten Standards für die iltrationseffizienz gegen Bakterien und Viren getestet.
    • Beachten Sie, dass sich die Filtrationseffizienz von Filtern mit dem Betrieb verändert. Überprüfen Sie die Einstellungen des Beatmungsgeräts in regelmäßigen Abständen und tauschen Sie die Filter gemäß den Angaben des Herstellers aus.
  • Die F&P-Filter (RT016, RT019, RT020) sind nicht für die Verwendung mit den Schlauchsystemen für invasive Beatmung von F&P für Neugeborene vorgesehen. Weitere Informationen über den Einsatz von inspiratorischen/exspiratorischen Filtern bei Schlauchsystemen für invasive Beatmung finden Sie unter Viral & Bacterial Filtration of F&P Healthcare Filters and F&P Evaqua™ 2 Circuits (Virale und bakterielle Filtration von F&P Healthcare Filtern und F&P Evaqua™ 2 Beatmungssystemen).

Beheizte Atemgasbefeuchtung

Bei COVID-19-Patienten, die an schweren Atemwegserkrankungen leiden, ist eine hohe Luftfeuchtigkeit erforderlich, um das Sekretmanagement zu unterstützen und die Mukusobstruktion zu behandeln.16 Eine beheizte Atemgasbefeuchtung fördert eine effiziente Beatmung und einen effizienten Gasaustausch17 und hält eine optimale mukoziliäre Funktion aufrecht.18

Weitere Informationen zur beheizten Atemgasbefeuchtung durch medizinisches Fachpersonal, das COVID-19-Patienten behandelt, finden Sie unter Beheizte Atemgasbefeuchtung durch medizinisches Fachpersonal zur Behandlung von COVID-19-Patienten.

Weitere Produktressourcen von F&P Healthcare

Weitere Informationen zu unserer Produktpalette für pädiatrische Patienten, einschließlich Spezifikationen, Gebrauchsanweisungen und Videoanleitungen, finden Sie auf unserer Seite über Beatmung von Säuglingen.

Weitere Informationen zu den beheizten Atemgasbefeuchtern und Flowgeneratoren von F&P finden Sie unter: 


# Stets die Bedienungsanleitung beachten, die mit dem Produkt geliefert wird. Dort finden Sie die vollständigen Benutzerhinweise zum Setup, Warnungen, Vorsichtshinweise und Kontraindikationen. Wenn ein Geräte-Setup zulassungsüberschreitend ist, erkennt der Benutzer an, dass es sich nicht um das vorgesehene Setup des Geräts handelt und dass die Verantwortung und das Risiko (die Haftung) dafür in eigener Verantwortung liegen.